Assessing Blame Avoidance Behavior

Das Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, ein in Krisenfällen unter politischen Akteuren weit verbreitetes Verhaltensmuster zu untersuchen, das in der Wissenschaft unter dem Begriff „Blame Avoidance Behavior“ (BAB) diskutiert wird. Die Auswirkungen von BAB auf den Prozess der Politikformulierung sollen aufgezeigt und etwaige Konsequenzen für das Funktionieren demokratischer Systeme im Medienzeitalter untersucht werden.

Das Funktionieren politischer Systeme ist zusehends von raschen Themenwechseln und medien-induzierter Politisierung und Skandalisierung gekennzeichnet. Vor allem in Krisenfällen beeinflussen solche Veränderungen das Verhalten politischer Akteure. In der Wissenschaft werden derartige Verhaltensmuster unter dem Begriff „Blame Avoidance Behavior“ (BAB) diskutiert. BAB beschreibt Vermeidungsverhalten, das darauf abzielt, jeglicher Kritik an der eigenen Amtsführung, an Handlungen, Äusserungen, etc. wenn möglich aus dem Weg zu gehen und die öffentliche Meinung betreffend der eigenen Person positiv zu beeinflussen. BAB hat nicht nur vielfältige Auswirkungen auf die Politikformulierung in demokratischen Gesellschaften, sondern stösst auch auf öffentliches Unverständnis und kann so zu einer in vielen Bevölkerungsteilen weit verbreiteten Politikresignation beitragen.

Das übergreifende Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, BAB in den komplexen Prozess der Politikformulierung einzuordnen und etwaige Konsequenzen für das Funktionieren demokratischer Systeme im Medienzeitalter zu untersuchen. Diesem Unterfangen stehen drei Schwierigkeiten entgegen: Eine wenig konsolidierte, über verschiedene Disziplinen verteilte Wissensbasis, die Vernachlässigung erklärungsrelevanter Kontextfaktoren und der damit zusammenhängende Mangel an generalisierbaren Erkenntnissen. Diesen Schwierigkeiten eingedenk wird ein umfassendes Framework entwickelt, das vorhandenes Wissen zu BAB konsolidiert und eine kontextsensitive Analyse einzelner Fälle erlaubt. 15 – 20 in westlichen Demokratien angesiedelte Fallstudien werden durchgeführt und miteinander verglichen. Das komparative Untersuchungsdesign erlaubt, den relativen Einfluss verschiedener Kontextfaktoren auf die Prozesse und Konsequenzen von BAB zu analysieren.

Damit ist das Forschungsprojekt sowohl von fachspezifischer als auch gesellschaftlicher Relevanz: Durch eine breite Datenerhebung, die eine vergleichende kontextsensitive Fallanalyse erlaubt, wird generalisierbares Wissen zu einem bis jetzt nur partiell erforschten Phänomen generiert. Ausserdem trägt das Forschungsprojekt dazu bei, das Handeln politischer Akteure generell erklärbar zu machen und damit das Verständnis politischer Prozesse in der Öffentlichkeit zu schärfen.

Diese Dissertation wird verfasst von Markus Hinterleitner unter der Betreuung von Prof. Dr. Fritz Sager.