Die vorliegende Publikation untersucht den Autonomiegrad der Organisationseinheiten der Schweizer Bundesverwaltung im Kontext der europaweiten Tendenz zur Ausgliederung staatlicher Aufgaben in semi-autonome Einheiten. Ziel der Studie ist es, die empirische Forschungslücke zur tatsächlichen Handlungsfreiheit dieser als Agencies bezeichneten Organisationen zu schliessen und die Faktoren zu identifizieren, welche deren Autonomie massgeblich beeinflussen. Die Untersuchung basiert auf einer umfassenden schriftlichen Befragung der obersten operativen Führungskräfte sowie der Aufsichtsorgane von Bundesämtern, FLAG-Einheiten und dezentralen Verwaltungsträgern. Dabei wird Autonomie mehrdimensional in den Bereichen Fachfragen, Finanzen, Organisation, Personal und Führung analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass in der Schweiz die formellen rechtlichen Vorgaben und der jeweilige Organisationstypus weitgehend deckungsgleich mit der tatsächlich wahrgenommenen Autonomie sind. Während die Existenz eines Aufsichtsorgans sowie die spezifische Budgetstruktur signifikante Einflüsse auf die finanzielle und organisatorische Gestaltungsfreiheit haben, spielt die Art der Aufgabe entgegen normativen Erwartungen eine untergeordnete Rolle. Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Steuerung über Zielvorgaben: Obwohl ein hohes Vertrauensverhältnis zwischen den Einheiten und der Exekutive besteht, wird die Qualität und Ambitioniertheit der Leistungsmessung, insbesondere bei Wirkungszielen, von der operativen Ebene kritisch hinterfragt. Die Arbeit kommt zum Schluss, dass die Autonomiegewährung in der Schweiz stark pfadabhängig erfolgt und der Bundesrat die Intensität der Steuerung primär an der politischen Relevanz der jeweiligen Einheit ausrichtet, anstatt einem rein schematischen Modell zu folgen.