Entwicklungen der „Netzwerkindustrie Strasse“

Rudolf Hofer (2010)

Die Liberalisierung klassischer Netzwerkindustrien wie Energie oder Schiene ist seit langem Gegenstand politischer und wirtschaftlicher Debatten, während die institutionelle Transformation des Strassensektors oft weniger systematisch betrachtet wird. Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklungen der Netzwerkindustrie Strasse mit dem Ziel, fundierte Erkenntnisse für die Strategieentwicklung von Infrastrukturbetreibern zu gewinnen. Hierzu werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Netzwerkindustrien auf Basis der Neuen Institutionenökonomie aufgearbeitet. Die Methodik umfasst eine detaillierte Literaturanalyse, die Auswertung von Stossrichtungen internationaler Organisationen wie der OECD und der EU sowie den Vergleich länderspezifischer Fallbeispiele aus Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Die Ergebnisse werden mittels Thesenbildung verdichtet und durch ein Expertenmeeting validiert.

Die Untersuchung zeigt, dass sich die Strasse zu einem integrierten Netzwerk in Form eines intelligenten Verkehrssystems entwickelt. Ein zentrales Ergebnis ist die zunehmende Entbündelung von strategischen Hoheitsaufgaben und operativer Leistungserbringung. Während der Staat als Eigentümer und Regulator die Systemstabilität gewährleistet, erfolgt die Bereitstellung und Bewirtschaftung der Infrastruktur verstärkt durch verselbstständigte Organisationen. Technologische Innovationen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen zudem eine professionelle Nutzungssteuerung und neue Finanzierungsmodelle nach dem Verursacherprinzip. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sich Infrastrukturunternehmen frühzeitig auf diese technologische Integration sowie auf ein erweitertes Aufgabenmanagement entlang der Wertschöpfungskette vorbereiten müssen, um in einem zunehmend durch Wettbewerbselemente geprägten Umfeld effizient und effektiv agieren zu können.