Evaluation der Führungsorganisation der Stadt Langenthal

Adrian Ritz; Fabian Amschwand (2024)

Die vorliegende Publikation evaluiert die im Jahr 2017 in der Stadt Langenthal eingeführte Führungsorganisation. Ziel der Untersuchung ist es, die Zukunftsfähigkeit des bestehenden Modells zu prüfen, das eine Entflechtung von politischer Steuerung und operativer Verwaltungsleitung anstrebt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Vorbereitung der Nachfolgeplanung für die Funktion des Stadtschreibers. Die methodische Grundlage der Evaluation bildet ein qualitativer Forschungsansatz, der eine umfassende Dokumentenanalyse, sechzehn strukturierte Einzelinterviews mit Schlüsselpersonen aus Politik und Verwaltung sowie ein reflektierendes Gruppengespräch mit externen Experten umfasst. Die Ergebnisse der Analyse belegen, dass sich das Führungsmodell in der Praxis grundsätzlich bewährt hat und das Primat der Politik gewahrt bleibt. Als kritischer Erfolgsfaktor wurde jedoch die ausserordentlich hohe Arbeits- und Verantwortungslast des Stadtschreibers identifiziert, die aus der Doppelrolle als Verwaltungsleiter und Gemeinderatssekretär resultiert. Zudem zeigen sich systembedingte Wissensasymmetrien zwischen den vollamtlichen Führungsorganen und den im Milizsystem tätigen Mitgliedern des Gemeinderats. Das Gremium der Verwaltungsleitung erfüllt seine koordinierende und unterstützende Funktion derzeit noch nicht im gewünschten Umfang. Die Autoren empfehlen daher, die bestehende Grundstruktur beizubehalten, aber durch die Schaffung einer zusätzlichen Stellvertretung sowie eine verstärkte Delegation von Entscheidungskompetenzen an die Verwaltung eine substantielle strukturelle Entlastung zu schaffen. Ein systematischer Wissenstransfer und die Weiterentwicklung der Führungsinstrumente werden als zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Amtsübergabe und die langfristige Stabilität der Organisation erachtet.