Gemeindebefragung 2009/2010: Zustand der Gemeinden des Kantons Zürich

Reto Steiner; Julien Fiechter; Claire Kaiser (2012)

Der vorliegende Forschungsbericht analysiert umfassend den Zustand und die Entwicklung der politischen Gemeinden im Kanton Zürich für den Zeitraum 2009 bis 2010. Ziel der Untersuchung ist es, ein detailliertes Bild der Leistungsfähigkeit, der institutionellen Strukturen sowie der aktuellen Herausforderungen auf kommunaler Ebene zu zeichnen. Die methodische Grundlage bildet eine schriftliche Befragung der Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber, wobei durch den Einbezug von Daten früherer Erhebungen seit 1988 ein fundierter Längsschnittvergleich über fünfzehn Jahre ermöglicht wird.

Die Ergebnisse belegen, dass sich die Mehrheit der Zürcher Gemeinden in einer guten finanziellen und leistungsmässigen Verfassung befindet. Ein zentraler Befund der Studie ist jedoch die abnehmende wahrgenommene Gemeindeautonomie. Es zeigt sich eine Tendenz, wonach Aufgaben und Lasten zunehmend vom Kanton auf die Gemeinden übertragen werden, während die entsprechenden Entscheidungskompetenzen tendenziell zentralisiert bleiben. Um die Leistungsfähigkeit zu erhalten, setzen die Gemeinden verstärkt auf interkommunale Zusammenarbeit, die in fast allen Aufgabenbereichen an Bedeutung gewonnen hat.

Hinsichtlich der politischen Institutionen zeigt sich eine hohe Stabilität der Gemeindeversammlung, ungeachtet sinkender Teilnehmerzahlen. Gemeindefusionen sind im Kanton Zürich kein Tabu mehr und werden vermehrt diskutiert, gelten jedoch mittelfristig für die meisten Gemeinden nicht als zwingende Notwendigkeit. In der Verwaltung ist ein steigender Personalbedarf sowie eine rege Reformtätigkeit bei betrieblichen Einzelmassnahmen feststellbar. Zusammenfassend unterstreicht der Bericht die hohe Resilienz der Zürcher Gemeinden, weist jedoch auf die Notwendigkeit flexibler kantonaler Unterstützungsstrukturen hin, um den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Gemeinden gerecht zu werden.