Gemeindemonitoring 2009/2010: Bericht zur fünften gesamtschweizerischen Gemeindeschreiberbefragung

Andreas Ladner; Reto Steiner; Katia Horber-Papazian; Julien Fiechter; Caroline Jacot-Descombes; Claire Kaiser (2013)

Der vorliegende Forschungsbericht dokumentiert die Ergebnisse des fünften nationalen Gemeindemonitorings in der Schweiz. Ziel der Untersuchung ist es, ein systematisches Bild über den Zustand, die Leistungsfähigkeit sowie die Reformaktivitäten der kommunalen Ebene zu zeichnen und bestehende Wissensdefizite zur untersten staatlichen Ebene zu reduzieren. Als methodische Grundlage diente eine schriftliche Vollerhebung bei allen 2’596 Schweizer Gemeinden im Zeitraum 2009/2010, an der sich rund 58 Prozent der Gemeindeschreiber beteiligten. Die Analyse deckt zentrale Themenfelder wie die finanzielle Situation, Personalrekrutierung, interkommunale Zusammenarbeit sowie Verwaltungs- und Gebietsreformen ab. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die finanzielle Lage vieler Gemeinden stabil ist und der Problemdruck im Vergleich zu den 1990er-Jahren insgesamt abgenommen hat. Während administrative Reformen im Sinne des New Public Managements vor allem in grösseren Städten Anwendung finden, bleibt die interkommunale Kooperation eine flächendeckende Notwendigkeit zur Aufgabenerfüllung. Zudem gewinnen Gemeindefusionen als proaktive Reaktion auf steigende Anforderungen und Rekrutierungsschwierigkeiten in den Exekutiven an Bedeutung. Kritisch beleuchtet der Bericht die Neuordnung der Aufgabenteilung zwischen Kantonen und Gemeinden, die häufig durch eine Zentralisierung der Entscheidkompetenzen bei gleichzeitiger Verlagerung finanzieller Lasten auf die kommunale Ebene gekennzeichnet ist. Abschliessend wird festgehalten, dass trotz der hohen Reformbereitschaft und generellen Resilienz der Gemeinden eine schleichende Aushöhlung der kommunalen Autonomie durch zunehmende Regionalisierung und kantonale Vorgaben droht.