Prozessorientierte Organisation in öffentlichen Spitälern der Schweiz

Albert Fritsche; Michael Herrmann (2009)

Die vorliegende Arbeit untersucht den Stand der prozessorientierten Organisation in öffentlichen Schweizer Spitälern vor dem Hintergrund zunehmenden Wettbewerbsdrucks und der Einführung von Fallpauschalen. Angesichts steigender Anforderungen an Effizienz und Qualität stellt sich die Frage, inwieweit bestehende funktionale Strukturen durch prozessorientierte Elemente optimiert werden können. Die methodische Grundlage bildet die Herleitung theoretischer Prüfpunkte, die anschliessend mittels Experteninterviews in fünf ausgewählten Akutspitälern sowie durch Dokumentenanalysen überprüft wurden. Die Untersuchung zeigt, dass in der Praxis keines der analysierten Spitäler eine reine Prozessorganisation im wissenschaftlichen Sinne implementiert hat. Dennoch lassen sich verbreitet prozessorientierte Ansätze finden, insbesondere in Form von umfassender informationstechnologischer Vernetzung und strategischen Leitbildern. Als wesentliche Schwachstelle identifiziert die Studie die oft mangelhafte Dokumentation von Abläufen, was ein systematisches Prozesscontrolling und nachhaltige Optimierungen erschwert. Die Autoren schlussfolgern, dass die erfolgreiche Ausrichtung auf Kernprozesse einen tiefgreifenden Kulturwandel erfordert, der die traditionellen Grenzen zwischen ärztlichem Dienst, Pflege und Management überwindet. Die Informationstechnologie fungiert dabei als zentraler Wegbereiter für die nötige Flexibilisierung der Strukturen.