Public health policy at the frontline: A comparative perspective

Eva Thomann (2015)

Diese Dissertation untersucht die Implementierung öffentlicher Gesundheitspolitik aus einer vergleichenden Perspektive mit einem besonderen Fokus auf die Entscheidungsprozesse an der sogenannten Frontlinie des Vollzugs. Die Arbeit adressiert die wissenschaftliche Fragestellung, wie politische Entscheidungen in konkrete Leistungen übersetzt werden und unter welchen Bedingungen sie ihre beabsichtigte Wirkung entfalten. Methodisch basiert die Untersuchung auf innovativen fallorientierten Vergleichsmethoden, insbesondere der Fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis und der Vergleichenden Multilevel-Analyse. In drei eigenständigen Teilstudien werden die nationale Anpassung von EU-Richtlinien im Bereich der Tierarzneimittel, die Vollzugsleistung von Lebensmittelinspektoren in der Schweiz sowie die Ablehnungsraten bei Organspenden in der Schweiz und Spanien analysiert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine erfolgreiche Umsetzung nicht allein von verfügbaren Ressourcen abhängt. Vielmehr erweist sich das komplexe Zusammenspiel von institutionellen Rahmenbedingungen, sektoralen Interventionsstilen und den individuellen Einstellungen der Vollzugsakteure als entscheidend. Die Arbeit führt das Konzept der Anpassung ein, um nationale Spielräume bei der Rechtsetzung zu erklären, und identifiziert eine Dienstleistungslücke als zentrale Ursache für mangelhafte Leistungen an der Frontlinie. Insgesamt liefert die Studie fundierte Erkenntnisse darüber, wie länderspezifische Kontexte die Wirksamkeit politischer Instrumente beeinflussen. Die Schlussfolgerungen betonen die Notwendigkeit einer kontextsensiblen Gestaltung von Public-Health-Massnahmen, um gesellschaftliche Probleme in Mehrebenensystemen effektiv zu lösen.