Realisierungsmodelle im öffentlichen Hochbau

Bernhard Eicher (2008)

Angesichts der angespannten Finanzlage der öffentlichen Hand in der Schweiz untersucht die vorliegende Arbeit die Auswahl und Bewertung verschiedener Realisierungsmodelle im öffentlichen Hochbau. Im Fokus steht die Frage, nach welchen Kriterien und Methoden Gemeinwesen zwischen Modellen wie der Eigenerstellung, dem Mietermodell, dem Investorenmodell, dem Investorenwettbewerb oder Public Private Partnerships entscheiden. Die methodische Grundlage bildet eine Kombination aus einer konzeptionellen Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen und einer empirischen Erhebung mittels halbstrukturierter Interviews in zehn deutschsprachigen Kantonen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass in der Praxis kein systematischer Vergleich der verfügbaren Modelle stattfindet. Während die Eigenerstellung und das Mietermodell aufgrund historischer Präferenzen und vermeintlicher Kostenvorteile dominieren, werden alternative Ansätze wie Investorenmodelle oder Public Private Partnerships nur vereinzelt oder mit grosser Zurückhaltung geprüft. Die Untersuchung zeigt zudem auf, dass wirtschaftliche Kriterien zwar als wichtig erachtet werden, jedoch oft keine standardisierten Instrumente wie die Barwertmethode oder Nutzwertanalyse zur modellübergreifenden Evaluation eingesetzt werden. Daraus leitet die Arbeit die Notwendigkeit eines strukturierten, phasenbezogenen Auswahlprozesses ab, um die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit öffentlicher Bauvorhaben zu erhöhen. Abschliessend werden spezifische Handlungsempfehlungen für die Verwaltung, die Bauwirtschaft und politische Akteure formuliert, um die Entscheidungsgrundlagen bei Grossprojekten zu professionalisieren und den Wissenstransfer zu fördern.