Wider den Moral Hazard: Lehren aus der Finanzkrise

Reto Steiner; Claire Kaiser (2020)

Die vorliegende Publikation befasst sich mit den tiefgreifenden Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie den daraus resultierenden Lehren für die staatliche Finanzpolitik und die Finanzmarktregulierung. Im Zentrum der Analyse steht das Phänomen des Moral Hazard, das entsteht, wenn Akteure aufgrund staatlicher Rettungsmassnahmen unverhältnismässige Risiken eingehen, deren Kosten im Krisenfall vom Kollektiv getragen werden. Anhand einer Dokumentation von Fachbeiträgen und Expertenbefragungen werden die Ursachen für den Vertrauensverlust in wirtschaftliche Eliten sowie die Instabilität staatlicher Haushalte untersucht.

Die zentralen Erkenntnisse betonen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels hin zu einer konsequent regelgebundenen Politik. Als erfolgreiches Referenzmodell wird die schweizerische Schuldenbremse hervorgehoben, die massgeblich zur Konsolidierung des Bundeshaushalts beigetragen hat. Die Autoren schlagen vor, ähnliche automatische Fiskalregeln auf die sozialen Sicherungssysteme anzuwenden, um die langfristigen Finanzierungslücken infolge des demografischen Wandels rechtzeitig zu schliessen. In Bezug auf die Bankenregulierung werden einfache, aber strikte Anforderungen wie höhere Eigenmittelquoten und wirksame Abwicklungsmechanismen für systemrelevante Institute als entscheidend identifiziert, um das Problem der Staatsgarantien zu entschärfen. Die Publikation gelangt zu der Schlussfolgerung, dass nur durch transparente, faire und einfache Regeln die Eigenverantwortung gestärkt und die moralische Grundlage des Wirtschaftssystems langfristig gesichert werden kann. Dabei wird trotz der globalen Vernetzung der Finanzmärkte die Bedeutung nationaler Reformbereitschaft und ehrlicher politischer Kommunikation gegenüber der Bevölkerung unterstrichen.